Was von meinem Vater bleibt
Der Soziologe Bortoluci wird 1984 als Sohn eines Fernfahrers und einer Näherin in Brasilien geboren. Als er beschließt, das bewegte Leben seines Vaters Didi aufzuschreiben, erkrankt dieser schwer an Darmkrebs. 50 Jahre lang hat Didi als LKW-Fahrer
gearbeitet. Er hat Baumaterial quer durch Brasilien transportiert, hat mitgeholfen, das Land urbar zu machen. Teilweise musste der LKW auf dem Schiff oder mit dem Zug befördert werden, da es in den 50er- und 60er-Jahren nur wenige Straßen gab. Neben der Geschichte seines Vaters spricht der Sohn von der gewaltigen Ausbeutung des Landes, von der Abholzung des Regenwaldes und vom Genozid an der indigenen Bevölkerung. Der Vater ist nie politisch gewesen. Er ist der Meinung, das ändere ohnehin nichts an der schweren Arbeit und dem fehlenden Geld am Monatsende. – Bortoluci zieht in seinem Debüt Parallelen von sich zu Annie Ernaux, Édouard Louis und weiteren Schriftsteller:innen, die sich mit Klassenzugehörigkeit auseinandergesetzt haben. Wie sie kommt er aus der Arbeiterschicht und empfindet eine wachsende Distanz zwischen sich und den Eltern. Bildung ermöglicht ihm den Aufstieg in eine andere Klasse. Gleichzeitig ist das Buch getragen von Hochachtung vor dem Leben des Vaters und einer großen Liebe. Breit empfohlen!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Was von meinem Vater bleibt
José Enrique Bortoluci ; aus dem brasilianischen Portugiesisch von Maria Hummitzsch
aufbau (2024)
175 Seiten
fest geb.