Unter derselben Sonne
Wie verarbeitet ein Mensch sein Leben in zwei unterschiedlichen Welten? Nadège Kusanika (geb.1988) erzählt in ihrem autofiktionalen Debüt von ihrem Aufwachsen im Kongo und in Deutschland. Als erwachsene Frau blickt die Autorin zurück und nimmt
dabei einen kindlichen Blickwinkel ein. Nadège wohnt mit ihrer Mutter und der Familie ihres Onkels zusammen in Kinshasa. Sie liebt es, Geschichten zu erzählen, sie mag die Regenzeit, die den Kongo zur grünen Lunge werden lässt. Oft ist das Essen knapp, der Strom fällt aus und auch fließendes Wasser gibt es nicht regelmäßig. Es geht auch den Nachbarn so; die Familie begegnet den Missständen mit Humor und Gleichmut und findet Kraft in ihrem Glauben. Der Diktator Mobutu wird 1997 von Rebellen gestürzt. Nadège nimmt im Palast des Volkes an Friedensgebeten teil. Als Jugendliche zieht sie zu ihrem kongolesischen Vater nach Deutschland, der dort eine eigene Familie hat. – Kusanika wehrt sich vehement gegen die Reduktion ihrer Heimat auf ein armes und kriegsgebeuteltes Land. Sie berichtet von Rassismuserfahrungen und macht deutlich, dass in beiden Ländern Menschen „unter derselben Sonne“ leben, die versuchen, ihr Schicksal würdevoll zu gestalten. Ihr Roman ist ein eindringliches Plädoyer für Toleranz. Auch für jugendliche Leser:innen geeignet.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Unter derselben Sonne
Nadège Kusanika
aufbau (2025)
207 Seiten
fest geb.