Zähe Hunde
Die Erzählerin schreibt an ein „Du“ und erinnert damit an den toten Bruder, der nicht so hart war, wie der Vater es erwartete. Den sie verteidigen musste in der Schule, wo er gemobbt wurde. Und der ihr fehlte, als er in ein Heim für Problem-Jugendliche
eingewiesen wurde. Sie erinnert sich an ihre Kindheit im Wohnwagen, wo der Vater alles versucht, die Kinder lebenstüchtig zu machen. Er will sie „unertrinkbar“ machen, indem er sie bis zur Erschöpfung schwimmen lässt, und zwingt ihnen seine obsessive Arbeitsmoral auf. Doch auf gemeinsamen Wanderungen in der Natur spürt Ada die Zuneigung und den Stolz des Vaters. Sie arbeitet nach dem Tod der Mutter in einer Fabrik, als sie Frederique kennenlernt, die ihr, der Außenseiterin, hilft. Frederique überredet sie, Kunst zu studieren und sie legt all ihre Energie in das Schnitzen von Holz und verlässt den Vater und den Wohnwagen. Doch sie bleibt eine Außenseiterin, und als Frederique ihr von einem verschrobenen Spanier in der spanischen Einöde erzählt, entschließt sie sich, dort hinzufahren, weil sie allein sein will. – In eindringlicher Sprache mit Metaphern wie „der Himmel [wurde] schwer und voll wie ein Bluterguss unter der Haut“ drückt der niederländische Autor Schmerz und Sprachlosigkeit in Verbindung mit unausgesprochener Liebe aus. Adas Geschichte ist packend und herzzerreißend und zugleich hoffnungsvoll. Ein beeindruckender Roman über eine dysfunktionale Familie.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Zähe Hunde
Falun Ellie Koos ; aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
aufbau (2026)
301 Seiten
fest geb.