Dem Mond geht es gut
Mit der Geburt des ersten Kindes kommen bei der Erzählerin Fragen auf: Wie war ihre Mutter als Mutter? Und die Großmutter? Erinnerungen an die Kindheit offenbaren ein generationenübergreifendes Schweigen und Verschweigen. Da sind die ersten Lebensjahre
in einer Hochhaussiedlung im Norden der Stadt, dann, mit der neuen Ehe der Mutter, der Umzug in eine Villa im wohlhabenden Süden. Der Stiefvater bleibt ihr fremd, die Beziehung zu ihm ist unterkühlt, die Atmosphäre im Haus bedrückend. Anhand von Fotos kann die junge Frau bestimmte Ereignisse abrufen und Stimmungen einfangen. Die Erinnerungen an den früh verstorbenen leiblichen Vater drohen zu verblassen, denn auch über ihn wird geschwiegen. Sprachlosigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, der zugleich auch zeigt, wie viel Kraft es kostet, die richtigen Worte über das Schweigen zu finden. Es ist ein poetisches Buch, das sich vorsichtig an das Erzählen herantastet und an das Schreiben darüber, wie es sich anfühlt, gleichzeitig Kind und Mutter zu sein. – Empfehlenswert.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Dem Mond geht es gut
Paulina Czienskowski
Blumenbar (2025)
192 Seiten
fest geb.