Mandel
Der Ich-Erzähler Yunjae dieser in Südkorea spielenden Geschichte leidet unter der Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken und bei anderen Menschen zu erkennen. Da die Mutter eine Ausgrenzung ihres Sohnes befürchtet, trainiert sie mit ihm, Gesichtsausdrücke
zu entschlüsseln und in verschiedenen Situationen die erwartbaren Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Yunjae führt ein zwar anstrengendes, aber glückliches Leben, bis seine Oma ermordet wird und seine Mutter schwer verwundet ins Koma fällt. Hilfe erfährt Yunjae durch den einfühlsamen Dr. Shin, den die Mutter gebeten hatte, sich im Ernstfall um ihn zu kümmern. Er beginnt, das Antiquariat seiner Mutter zu betreuen, und besucht sie täglich im Krankenhaus. In der Schule verschärft sich sein Dasein als Außenseiter. Dann taucht Gon auf, mit ihm verbindet Yunjae eine spezielle Geschichte. Gon wird von allen gefürchtet, nur Yunjae hat keine Angst vor ihm. Das führt zu einer Annäherung der beiden Jungen. Und als Gon in Gefahr gerät, versucht Yunjae, ihn unter Einsatz seines eigenen Lebens zu retten. Mit Dora tritt außerdem die Liebe in Yunjaes Leben. – Einfühlsam schildert die Autorin die Entwicklung Yunjaes zu einem Menschen, der Gefühle empfinden kann, und beschreibt die besondere Freundschaft zwischen zwei unterschiedlichen Jungen.
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Mandel
Won-pyung Sohn ; aus dem Koreanischen von Sebastian Bring
Blumenbar (2024)
222 Seiten
fest geb.