Die Schatten von Belfast
Gerry Fegan hat in jungen Jahren für die IRA gemordet, ist von der Polizei gefasst worden und hat mittlerweile seine Strafe abgesessen. Nun herrscht Friede in Nordirland, und Gerry muss sich in den neuen Gegebenheiten zurechtfinden. Doch das ist nicht
so einfach, denn die Geister seiner Opfer fordern von ihm, dass er an den Auftraggebern von damals blutige Rache übt. - Insgesamt mag der Titel zwar recht kurzweilig geschrieben sein, trotzdem bietet er Anlass für eine Ablehnung. Dass ein von Hirngespinsten Getriebener zum Serienkiller wird, ist allein noch kein Grund, ein Buch negativ zu beurteilen, denn davon handeln einige der besten Beispiele des Thrillergenres. Die Opfer sind ja wahrlich alles andere als Unschuldslämmer. Auch das reichlich platte Klischee der in diesem Titel selbstverständlich vorkommenden liebenswerten, schutzlosen Frau mit einem unschuldigen, wehrlosen Kind sei dem Autor verziehen. Dass vom Protagonisten allerdings zu keiner Zeit ernsthaft reflektiert wird, dass er nun mal selbst Teil des Systems war bzw. immer noch ist, welches er nun bekämpft, wirkt sich dann schon eher nachteilig aus. Auch dass Mord nicht mit weiteren Morden zu sühnen ist, scheint für ihn außerhalb aller Vorstellung zu sein. Ein letztes von den Geistern gefordertes Opfer - sich selbst - lehnt er ab und entzieht sich einer erneuten Verhaftung oder Schlimmerem durch Flucht. Das Geld für diesen Titel kann man wohl besser anlegen. (Übers.: Armin Gontermann)
Thomas Oberholthaus
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Schatten von Belfast
Stuart Neville
Rütten & Loening (2011)
441 S.
fest geb.