Das stumme Rauschen der Wellen bei Nacht
Nachdem ihre Mutter und mehrere ihrer Geschwister an der Pest gestorben sind, verstummt Lefke. Als 1361 eine verheerende Sturmflut die Handelsstadt Rungholt an der Nordseeküste heimsucht, spürt Lefke die Vorzeichen des Unheils körperlich. Doch ihre
Schwester Majken, die Lefke immer verstanden hat, deutet Lefkes Warnungen falsch. Mit ihrem Schwager Onno verbindet Lefke eine Seelenverwandtschaft. Er erkennt Lefkes Sorgen um den brechenden Deich, ohne die Gefahr bannen zu können. Auch die Jahrhunderte später lebende Mieke ist dem Meer innig verbunden. Schon daheim auf Pellworm hat sie Vögel beobachtet. Als Elfjährige ist sie begeistert vom Leben und Beruf des Vogelwarts Wiek auf der Hallig Norderoog, der sie auf seinen Streifzügen über die Hallig mitnimmt. Im Laufe der Jahre kehrt sie immer wieder für Monate nach Norderoog zurück, bis sie als promovierte Ornithologin Wieks Job übernimmt. Von Kapitel zu Kapitel abwechselnd beschreibt Heinemann das Leben ihrer beiden Protagonistinnen spannend und lebensnah. Es gelingt ihr auch, vom einsamen Leben der Menschen auf den Halligen zu erzählen, die abgeschlossen von der Außenwelt immerzu den Naturgewalten des Meeres ausgesetzt sind.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das stumme Rauschen der Wellen bei Nacht
Juliane Heinemann
rütten & loening (2026)
375 Seiten
fest geb.