In Zeiten des blauen Lichts
Paris 1664: Die junge Alouette, Tochter eines Färbers in der berühmten Gobelin-Manufaktur, ist schon als Kind fasziniert von der Welt der Farben, besonders von einem bestimmten Blau. Obwohl sie das Talent und die Leidenschaft dazu besitzt, darf sie
als Frau offiziell nicht im Handwerk ihres Vaters arbeiten und beginnt, heimlich mit Pflanzen und Mineralien zu experimentieren. Dabei trifft sie auf Étienne, einen jungen Steinmetz, und verliebt sich in ihn. Da sie ihre Vision vom perfekten Blau nicht aufgeben will, kommt sie in Konflikt mit den Zünften, wird in das berüchtigte Frauengefängnis Salpêtrière gebracht und brutalen, menschenunwürdigen Verhältnissen ausgesetzt. Paris 1939 - 1942: Der junge holländische Arzt Kristof arbeitet in Salpêtrière und erlebt dort, wie politische Gewalt und Angst das Leben der Menschen bestimmen. Er trifft auf den Widerstandskämpfer Alesander, der als Nazi getarnt die Tunnelwelt unter Paris für Fluchtmöglichkeiten erforscht. Als seine jüdischen Nachbarn seine Hilfe benötigen, hilft er uneigennützig. – Die Autorin Paula McLain lässt zwei Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen emotional und thematisch aufeinander zulaufen und ineinandergreifen. Sie verwendet starke Frauenfiguren wie Alouette, die sie zu glaubwürdigen Heldinnen in schweren Zeiten aufbaut, und Themen wie Selbstbestimmung, Unterdrückung und Kunst miteinander verknüpft. – Gerne für Leserinnen und Leser empfohlen, die anspruchsvolle, emotionale Romane mit historischen Themen und einer angenehmen literarischen Sprache ohne große Dramatik mögen.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
In Zeiten des blauen Lichts
Paula McLain ; aus dem Amerikanischen von Julia Walther
rütten & loening (2026)
603 Seiten
fest geb.