Die Türkei unter Erdogan
Nicht erst seit dem Ukraine-Konflikt, bei dem sich der türkische Staatspräsident Erdogan als Vermittler zwischen Putin und dem Westen versucht, beherrscht das Land am Bosporus oftmals die Nachrichten in unseren Medien. Unter der AKP, die dort seit
2002 an der Macht ist, und Erdogan, der ein Jahr später die Parteiführung übernahm, hat sich das Land stark verändert: Innenpolitisch ist eine erhebliche Schwächung demokratischer Rechte und Strukturen auf das immer mehr auf seinen Präsidenten zugeschnittene nationalistische Land festzustellen, in dem der Islam an Bedeutung gewinnt und Minderheiten wie die Kurden weiterhin unterdrückt werden. Außenpolitisch will sich die Türkei auch militärisch als Mittelmacht im Nahen und Mittleren Osten etablieren, die nur noch partiell mit dem Westen zusammenarbeitet. Diese Entwicklungen der letzten 20 Jahre beschreibt und analysiert sehr detailliert und faktenreich der aus Bulgarien stammende und in Oxford lehrende Autor in zehn Kapiteln, wobei die ersten beiden Abschnitte auf Entwicklungslinien der 1980er- und 1990er-Jahre vor dem Auftreten der AKP eingehen. Am Ende steht die Frage, welchen Weg das derzeit wirtschaftlich geschwächte Land und seine angeschlagene Demokratie in der näheren Zukunft nehmen wird. Für große Sachbuchbestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Türkei unter Erdogan
Dimitar Bechev ; aus dem Englischen von Karlheinz Dürr und [einem weiteren]
HarperCollins (2023)
400 Seiten
fest geb.