Blutrotes Kobalt
Nicht von ungefähr hat dieses Buch ein breites Medienecho gefunden. Denn jeder Lithium-Akku enthält Kobalt: von einigen Gramm im Smartphone bis zu zehn oder mehr Kilogramm im E-Auto. Fast drei Viertel des 2021 weltweit angebotenen Kobalts stammten
aus der Demokratischen Republik Kongo, Tendenz steigend. Der in Nottingham lehrende Wirtschaftsprofessor Siddharth Kara hat die DR Kongo und die dortigen Abbaugebiete mehrfach von 2018 bis 2021 besucht, hat mit Händlern, Beamten und NGO-Vertretern gesprochen, vor allem aber mit Arbeitern (darunter viele Jugendliche und Kinder) und Angehörigen. So gibt er den brutal ausgebeuteten Menschen eine Stimme, lässt exemplarische Einzelschicksale lebendig und persönlich werden, während er seine Erkenntnisse einordnet in geschichtliche und wirtschaftliche Zusammenhänge. Kara deckt ein zutiefst menschenverachtendes System auf, in das sowohl lokale als auch internationale Akteure verwickelt sind und das dafür sorgt, dass der von hunderttausenden ungeschützt zu Hungerlöhnen schuftenden Männern, Frauen und Kindern geschürfte Rohstoff mit dem aus vorzeigbaren Minen stammenden vermischt und sozusagen "gewaschen" wird, bevor er in die offiziellen, überprüfbaren Lieferketten eingeschleust wird. – Dieses erschütternde Buch geht praktisch jeden und jede hierzulande an. Im Interesse der unvorstellbar leidenden Menschen im Kongo ist ihm eine weite Verbreitung zu wünschen.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Blutrotes Kobalt
Siddharth Kara ; aus dem Englischen von Hans Freundl
HarperCollins (2024)
350 Seiten : Illustration
fest geb.