Mr. Saitos reisendes Kino
Die junge Argentinierin Lita wächst mit ihrer ledigen Mutter Fabiola, die selbst ein Findelkind war, in Buenos Aires in einem Kloster auf. Fabiola ist leidenschaftliche Schuhliebhaberin und Tangotänzerin. Bei einem politischen Aufstand müssen beide
Hals über Kopf das Land verlassen und gelangen mit dem Schiff auf eine abgelegene Insel vor der Küste Neufundlands. Im dortigen Seemannsheim "Bethlehem" finden sie eine neue Heimat und Lita in der gleichaltrigen Oona eine enge Freundin. Lita gefällt es dort so gut, dass sie mit vorgespielten Krankheiten ihre Mutter dazu bringt, zu bleiben. Dann erscheint der von allen auf der Insel sehnlichst erwartete Mr. Saito, der mit seinen Filmvorführungen auch Lita unendlich fasziniert. Lita verliebt sich in den jungen Elliott, und er erwidert ihre Liebe. Mit jedem Besuch Mr. Saitos fasziniert Oona und Lita das Medium Film mehr, und sie werden seine Gehilfinnen. Dann beginnt der Zweite Weltkrieg und zeigt seine Auswirkungen auch in Neufundland. Elliott verlässt das Land, um in seiner ehemaligen Heimat Schottland Arbeit zu finden. Dann erfährt Lita, dass er dort eine andere Frau geheiratet hat. Nur langsam kann sie den Schock überwinden. Dabei hilft ihr, dass sie und Oona immer tiefer in das Metier des Filmemachens eindringen. Als Mr. Saito stirbt, übernehmen sie sein Geschäft. Schließlich findet Lita auch im attraktiven Maxwell den Mann ihres Lebens. – Annette Bjergfeldt ist in ihrer Heimat Dänemark nicht nur als Autorin, sondern auch als Singer-Songwriterin bekannt. Mit ungemein starkem erzählerischem Talent und ihrer sprachlichen Kompetenz, die sie immer neue fantastische Bilder und Metaphern erfinden lässt, schrieb sie einen Roman, der die Lesenden sofort in den Bann zieht (absolut gelungen auch die Übersetzung ins Deutsche durch Dagmar Mißfeldt). Eine literarische Entdeckung, allen Beständen sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mr. Saitos reisendes Kino
Annette Bjergfeldt ; aus dem Dänischen von Dagmar Mißfeldt
HarperCollins (2025)
541 Seiten
fest geb.