Alle glücklich
Nina und Alexander leben mit ihren Kindern in München. Sie scheinen eine perfekte Familie zu sein, allerdings zeigt sich die gegenseitige Entfremdung unweigerlich mit der Ablösung der beiden Kinder vom Elternhaus. Nina hat maßgeblich an dem eigenen
und gesellschaftlich vorgegebenen Bild einer Vorzeigefamilie gearbeitet und ist nun zerrissen von der nicht endenden Sorge um das Wohlergehen der nahezu erwachsenen Kinder und dem Loslassen der Verantwortung. Mit der Geburt des Sohnes Ben hatte sie ihr Medizinstudium aufgegeben und arbeitet inzwischen in Teilzeit als MTA in einer Arztpraxis. Alexander geht vollständig in seiner Arbeit als Oberarzt auf und erfüllt aus seiner Sicht mit der guten Versorgung von Frau und Kindern seine Aufgabe. Während Ben sich mit dem Studium nicht anfreunden kann und in der virtuellen Welt zu versinken droht, macht seine Schwester Emilia erste Erfahrungen mit der Liebe. Nina richtet den Fokus mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse, nimmt heimlich eine Stelle in einem Supermarkt an und lernt dort eine junge, alleinstehende Mutter kennen, mit der sie zunehmend die Feierabende verbringt. Die Kluft zwischen den Eheleuten wird größer. Ein Unglücksfall stellt alles auf den Prüfstand. – Abwechselnd schreibt die Bestsellerautorin Kira Mohn aus der Sicht der einzelnen Familienmitglieder und beginnt jedes Kapitel mit einer entscheidenden Frage oder Aussage der betreffenden Person. Die Vorstellung von einer perfekten Familienkonstellation und der Anspruch an Partner und Kinder sind hoch und lassen Leichtigkeit und Zugewandtheit vermissen. Kira Mohn, die Psychologie und Pädagogik studierte, hat mit ihrem Roman einen Nerv getroffen, der in der modernen Gesellschaft weit verbreitet sein dürfte. Für alle Büchereien sehr empfohlen.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Alle glücklich
Kira Mohn
HarperCollins (2026)
283 Seiten
fest geb.