Die Nacht der Bärin
Nach einem katastrophalen Streit flüchtet Jule zu ihren Eltern, die für sie immer ein sicherer Hafen waren, um dort die Auseinandersetzung und deren Folgen zu verarbeiten. Doch Zeit dafür findet sie leider nicht, da der Tod von Jules Großmutter
wie ein plötzlicher Donnerschlag über der Familie liegt. Jules Großmutter, die sie nie persönlich kennengelernt hatte und über die sie kaum etwas erfahren hatte und an deren Tod Jules Mutter nicht weniger interessiert sein könnte. Um sich den Kopf nicht über ihre eigenen Probleme zu zerbrechen, stürzt sich Jule in die Geschichte ihrer Familie und ihrer Großmutter und entdeckt Abgründe, die ihre eigene Tragödie immer mehr zur Seite zu rücken scheinen. – "Die Nacht der Bärin" ist kein Buch für einen gemütlichen Sonntagnachmittag und befasst sich bewusst mit viel zu wenig angesprochenen Themen wie Gewalt und Missbrauch in der Familie. Dabei schafft die Autorin mit wenigen Wörtern eine unheilvolle Atmosphäre, die einem bis in die Knochen fährt und das wahre Ausmaß von Jules Familiengeschichte mehr als erahnen lässt. Gnadenlos wird man durch schlimmste Szenarien geführt, die doch so von Bedeutung sind, um zu verstehen, was sich für Schrecken in manchen Familien verbergen und wie wichtig es doch ist hinzusehen, um ein Zeichen zu setzen und um den Opfern Hoffnung und Kraft zu geben. Klare Empfehlung für jeden Lesenden der sich aktiv mit der Frage nach Menschlichkeit, Moral und den viel zu oft vorkommenden Schattenseiten mancher Familien auseinandersetzen will. Dieser Roman bleibt einem noch lange nach dem Lesen im Gedächtnis.
Franziska Krauß
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Nacht der Bärin
Kira Mohn
Harper Collins (2024)
286 Seiten
fest geb.