Der letzte Verrat der Boleyns
Jane Parker, Schwägerin von Anne Boleyn, der zweiten Frau Henrys VIII., steigt durch heimliche Spionage und clevere Verschwiegenheit in den Jahren zwischen 1534 und 1542 zur wichtigsten Hofdame mehrerer Königinnen auf. Sie hält die Geschicke der
Boleyns in ihren Händen, entscheidet mit über Leben und Tod, bis sie selbst zum Spielball gefährlicher Allianzen wird. Aus ihrer Sicht, als stille Beobachterin und doch mitten im Herzen der Tudors, erzählt sie von der grausamen Herrschaft Heinrichs und seiner Geltungssucht den Frauen an seiner Seite gegenüber. – Mit Fingerspitzengefühl schreibt die Autorin aus der Sicht einer Frau, der bisher in der Geschichte kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Durch ihre Augen wird eine ganz andere Perspektive auf das höfische Leben und die Rastlosigkeit des Königs geworfen, der mit dem Älterwerden und mit seiner Sterblichkeit haderte. In einer reizvollen Mischung aus historischen Tatsachen und fiktiver Ergänzung begeben sich die Leser:innen in dieser Geschichte mitten hinein an den Hof eines gefährlichen Tyrannen mit seinen Intrigen, Machtspielen und Allianzen. In ihrer lebendigen Sprache verbindet die Autorin fiktionale Dramen mit historischer Darstellung und hält dadurch den Spannungsbogen. Leser:innen, die gerne ausschweifende Erzählungen über das höfische Leben mögen und sich nicht an kleinen historischen Ungenauigkeiten stören, gerne als ansprechende Lektüre empfohlen.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
Der letzte Verrat der Boleyns
Philippa Gregory ; aus dem Englischen von Edith Beleites und [einer weiteren]
HarperCollins (2026)
558 Seiten
fest geb.