Die Nord Stream-Sprengung
Die spektakuläre Sprengung von drei der vier von Russland nach Deutschland führenden, politisch höchst umstrittenen Gaspipelineröhren Nordstream Ende September 2022 war ein großer Sabotageakt gegen zivile Infrastruktur und ist inzwischen zu einem
brisanten Kriminalfall geworden. Ein vom Balkan stammender, heute als Korrespondent für das anerkannte US-amerikanische Wall Street Journal arbeitender Journalist legt hier das Ergebnis dreijähriger investigativer Recherchen zu den Hintergründen und zur Planung und Durchführung des Anschlags vor. Ab Frühjahr 2022 plante eine kleine, mit ihrer politischen Führung unzufriedene Gruppe ukrainischer Elitesoldaten die Tat, beschaffte Mittel und Ressourcen und warb geeignete Personen zur Durchführung an, damit durch die akribisch geschilderte Sabotage die die Kriegskasse Russlands füllenden Einnahmen aus dem Gasgeschäft unterbunden werden. Ob und inwieweit höchste staatliche Stellen darüber informiert waren, bleibt auch für den Autor letztlich ungewiss. Die nach der Tat einsetzenden Bemühungen um Aufklärung werden ebenfalls geschildert. Pancevski lobt ausdrücklich das akribische und beharrliche Vorgehen von Beamten des politisch unabhängigen Bundeskriminalamtes. Diesem ist zu verdanken, dass die für die Tat angemietete Segelyacht Andromeda sichergestellt und die beteiligten Personen identifiziert werden konnten. Die detailreichen Darstellungen lesen sich teilweise wie ein Politthriller. Sie sind angesichts ihrer Brisanz, auch für die deutsch-ukrainischen Beziehungen, und für die fortbestehenden Folgen des Anschlags topaktuell. – Allen Büchereien unbedingt empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Nord Stream-Sprengung
Bojan Pancevski ; aus dem Englischen von Andrea Kunstmann
HarperCollins (2026)
366 Seiten
fest geb.