Die Reise der verlorenen Worte
Janne arbeitet innerhalb der Post in einer Abteilung, in welcher unzustellbare Sendungen landen. Ihnen ist es erlaubt, das Briefgeheimnis zu verletzen, um aus dem Inhalt der Korrespondenz Anhaltspunkte zu erhalten, wo der Brief herkam oder hin soll.
Dieser Aufgabe widmet sich Janne mit großer Leidenschaft, denn sie lebt allein, ohne Familie oder Freunde. Eines Tages bearbeitet sie einen Brief, der ihr eigenes vergangenes Schicksal wachruft und sie beginnt, folgenschwere Entscheidungen zu hinterfragen. – Briefe sind etwas Schönes, transportieren sie doch Erinnerungen, Ereignisse, Grüße oder auch Trost, denn sie zeugen von einer Verbundenheit zwischen Schreiber und Empfänger. Dieses ist sehr gut spürbar in den verschiedenen Briefen, die die Protagonistin bearbeitet und die sie emotional berühren. Man kann als Leser:in die Macht des geschriebenen Wortes spüren. Leider entstehen einige Längen in den Beschreibungen der verschiedenen Gefühlslagen von Janne und ihrer wechselvollen Geschichte. In zeitlichen Rückblenden erfahren die Lesenden, was zwischen Janne und ihrem Großvater, bei dem sie nach dem Tod ihrer Eltern lebte, passiert ist und warum beide jeweils sehr belastet sind. Obwohl der Spannungsbogen im Verlauf etwas abflacht, lässt uns das glückliche Ende der Geschichte versöhnlich zurück. – "Die Reise der verlorenen Worte" ist ein ruhig erzählter Roman, der Themen wie Verlust, Versöhnung und den Mut zu Veränderungen anspricht. Er passt gut zu einem entspannten Wochenende, wenn eine leichte Lektüre gesucht wird. – Allen Büchereien empfohlen.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Reise der verlorenen Worte
Jule Wengenroth
HarperCollins (2025)
270 Seiten
kt.