Kalt wie die Nacht
Kurz nach dem tragischen Tod seiner Frau quittiert Wolf Larsen seinen Polizeidienst in Oslo und zieht in die Kleinstadt Bø in der südnorwegischen Provinz Telemark. Dort bildet er im Elternhaus seiner verstorbenen Frau eine WG zusammen mit ihrer Schwester
Nora, einer TV-Persönlichkeit, und etabliert sich als Privatdetektiv. In seinem ersten Fall soll Wolf herausfinden, ob der Leiter der örtlichen Bibliothek eine Affäre hat, wie seine Frau vermutet. Schon bei seiner ersten Observation wird Wolf Zeuge einer für den Bibliothekar tödlichen Auseinandersetzung. Wolf wird vom Täter niedergeschlagen, was die junge Elin zufällig mitbekommt. Im Auftrag der Witwe nimmt Wolf zusammen mit Elins Schwester, der scheuen Lokaljournalistin Sanna Bjørnstad, Ermittlungen auf. – Der deutschsprachige Autor Bernhard Stäber, wohnhaft in der Telemark, leitet damit seine Norwegen-Krimi-Reihe „Ein Fall für Wolf Larsen“ ein. Anfangs streut der zugewanderte Autor etwas zu wenig Lokalkolorit und Bezüge zur norwegischen Lebensart in seine Geschichte ein, sodass sie überall spielen könnte, aber nach und nach gewinnt die Schilderung an Atmosphäre. Die Charaktere des ungleichen Ermittlerduos – Wolf mit seiner Trauerarbeit und Sanna mit einer dissoziativen Identitätsstörung sind beide emotional ziemlich zugesetzt – haben wie auch einige andere Figuren durchaus Entwicklungspotential, sodass man auf die Fortsetzungen gespannt sein darf. Eine zweite Folge, „Stumm wie der Schnee“, ist bisher nur als eBook erschienen, eine dritte Folge ist in Vorbereitung.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Kalt wie die Nacht
Bernd Stäber
Lübbe (2025)
383 Seiten
kt.