Die Identitätsfalle
Der 11. September 2001 hat eine Unzahl an Theorien über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Zivilisationen provoziert. Dabei nimmt die These des amerikanischen Politikwissenschaftlers Samuel Huntington vom "Clash of Civilisations" eine überragende
Rolle ein. Eben dieser These versucht der in England und in den USA lehrende Ökonom (und Nobelpreisträger) Amartya Sen mit seinem neuen Buch detailliert zu widersprechen. Nach Sen ist es verfehlt und in seinen Konsequenzen fatal, die heutige Welt in festgefügte, in sich widerspruchsfreie, eindeutig zu definierende politische, religiöse und kulturelle Blöcke einzuteilen. Zentral ist für Sen dabei der Begriff der "Identität". In einer globalisierten Welt könne man nur mehr von einer "Pluralität unserer Identitäten" ausgehen. "Die Illusion einer einzigen Identität stiftet weit mehr Unfrieden als das Universum der pluralen und mannigfaltigen Unterscheidungen, welche die Welt, in der wir leben, prägen." Die Thesen von Sen, vorgetragen ohne jede Polemik und Arroganz des besseren Wissens, verdienen es, sehr ernsthaft zur Kenntnis genommen zu werden. - Ein Buch von brennender Aktualität, dem man nur eine große Resonanz wünschen kann.
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Identitätsfalle
Amartya Sen
Beck (2007)
207 S.
fest geb.