Verteidigung des Privaten
Wolfgang Sofsky, ehemals Professor für Soziologie, beleuchtet eingehend das Private und beschreibt, dass der Einzelne sein individuelles Dasein kaum noch schützen kann. Fraglich ist, ob dieser das überhaupt anstrebt, ob der Einzelne heute nicht
weniger die Beobachtung fürchtet als vielmehr die Nichtbeachtung. Der heutige Stand der Technik ermöglicht es, den Aufenthalt des Einzelnen täglich nachzuvollziehen ohne dass überhaupt eine andere Person in der Nähe gewesen ist. Wenn die Privatheit aber der Kern persönlicher Freiheit ist, führt dies dazu, dass jedwede Barrieren gegen soziale und politische Macht abgebaut werden. Die verschiedenen Aspekte der privaten Existenz beleuchtend (Körper, Information, Eigentum, Gedankenfreiheit, etc.), kommt Sofsky zu der These, dass heute dem Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Sicherheit und Wohlstand das Recht auf Privatheit geopfert wird. Teilweise beunruhigende Lektüre für den anspruchvollen Leser.
Daniel Trutwin
rezensiert für den Borromäusverein.
Verteidigung des Privaten
Wolfgang Sofsky
Beck (2007)
158 S.
fest geb.