Was du mir verschweigst
Die gebürtige Russin Lunia lebt mit Mann und Kind in Amsterdam. Trotz guter bürgerlicher Verankerung ist ihr emotionaler Status eher "zerrissen" zu nennen: Sorge um das taubstumme Kind, Reibereien mit dem Partner, Stress und Liebelei im Beruf - und
ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern. Als ihr Vater einen Schlaganfall erleidet, fliegt sie nach Petersburg - auch in der Hoffnung, eine ungeklärte Erinnerung aus der Kindheit zu beleuchten. Das Land scheint offener geworden zu sein, doch in der Familie stößt sie auf Schweigen und unausgesprochen geltende Spielregeln. Die Reise nach Hause führt sie schließlich tief in die Kindheit und durch die Frage nach ihrer Herkunft auch tief in die wunde Seele Russlands. Dicht aus dem Erleben der Ich-Erzählerin geschrieben erschließen sich die Zusammenhänge ganz behutsam, langsam, nach und nach. Der Leser wird zunehmend in den Bann des intensiven und konzentrierten, eher alltagsorientierten Romans gezogen. Ein starkes Stück Frauenliteratur. (Übers.: Marlene Müller-Haas)
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Was du mir verschweigst
Ariëlla Kornmehl
Beck (2011)
214 S.
fest geb.