Was macht die Zeit, wenn sie vergeht?
Dass wir Menschen nur in den Kategorien von Zeit und Raum denken können, das hat bereits Immanuel Kant festgestellt. Darum tun wir uns auch so schwer mit den Erkenntnissen der modernen Physik, die Zeit als etwas Relatives entdeckt hat. Verständlich,
anschaulich, ja geduldig und in verhältnismäßig kurzen Sätzen verdeutlicht der Mathematiker W. Kinnebrock, wie Albert Einstein mit seiner Relativitätstheorie sich dem Zeit-Problem genähert und es erklärt hat. Dass Zeit einmal schneller, einmal langsamer, einmal gar nicht "vergeht", das kann man sich nach der Lektüre des kleinen Büchleins denken, ja sich fast bildhaft vorstellen. Freilich bleibt für den Leser die gedankliche Wanderung durch Raum, Zeit, Weltall auch an der Hand eines väterlich vereinfachenden Autors höchst abenteuerlich, gibt es doch auch noch Unsicherheiten, wie z.B. in der Quantentheorie der Gravitation, die auf die Zeit "einwirkt", oder bei den sog. Wurmlöchern. Unterhaltsam ist das Bändchen nicht zuletzt mit seinen historischen Rückblicken auf die Methoden der Zeitmessung, Kalender und Uhren, der Beschreibung biologischer Uhren sowie der Schilderung von Nahtod-Erlebnissen. Beachtung verdient, dass Kinnebrock die referierten Forschungsergebnisse nicht im Gegensatz sieht zu religiösen Vorstellungen. Als angenehm empfindet der Leser die Kürze der einzelnen Kapitel, die somit seine Spannkraft nicht überfordern.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was macht die Zeit, wenn sie vergeht?
Werner Kinnebrock
Beck (2012)
Beck'sche Reihe ; 6025
160 S. : Ill.
kt.