Das Büro
Der erste Band des 1996 bis 2000 in Holland erschienenen, vielfach preisgekrönten Megaromans (5200 Seiten verteilt auf sieben Einzelbände) des 2008 verstorbenen niederländischen Kultautors ist nun auch in der Übersetzung von Gerd Busse erschienen.
Maarten Koning, sensibler Nonkonformist und Alter Ego des Autors, nimmt verlegenheitshalber eine Arbeit am Institut für niederländische Volkskunde an, obwohl er seine Tätigkeit als "vollkommen sinnlos und ohne jeden Wert" (713) erachtet. Der vorliegende Band umfasst die Ära des Direktors Beerta (1957 bis 1965). In Hunderten von kurzen, meist dialogisch strukturierten Einzelszenen, wird penibel berichtet, was sich im Büro, auf dem Weg dorthin, nach der Arbeit und zuhause oder auf diversen berufsbedingten Veranstaltungen zuträgt. Ganz schnell fühlt sich der Leser als ein Teil des selbstgenügsamen Mikrokosmos dieser grotesk expandierenden, ameisenhaft geschäftigen Amsterdamer Büro- und Wissenschaftswelt, in der ein Farbbandwechsel zur technischen Herausforderung wird und ein Tonband zur bestaunten Innovation und in der Nichtigkeiten in Kommissionen und pompösen Konferenzen verhandelt werden. Und man wird als Leser geradezu süchtig danach, mehr zu erfahren von dem sympathisch unangepassten Helden, seine Mitarbeitern und seinem Chef, dem seltsam unambitionierten, aber eitlen Direktor Beerta, von ihren verqueren Schicksalen, ihren Empfindlichkeiten, lächerlichen Ambitionen oder ernsten Alltagssorgen. Und der teils lustvoll-ironisch, teils melancholisch in menschlichen Nichtigkeiten schwelgende Roman wird dem Leser zum Symbol einer verzweifelt nach dem Sinn seines Daseins suchenden Existenz. Ein herausragender, ausgesprochen vielschichtiger Monumentalroman, von dessen imposantem Umfang (831 Seiten) und von der enormen Detailversessenheit man sich keinesfalls abschrecken lassen sollte! Wann erscheint der 2. Band???
Das Büro
J. J. Voskuil
Beck (2012)
845 S. : Ill.
fest geb.