Das verbotene Glück der Anderen
Ousep Chacko, Chefreporter einer Zeitung im indischen Madras, kann auch drei Jahre nach dem Selbstmord seines Sohnes Unni nicht verstehen, wieso ausgerechnet der allseits beliebte und selbstbewusste 17-jährige Cartoonist sich das Leben nahm. Ouseps
Gespräche mit Menschen, v. a. Mitschülern Unnis entschlüsseln das Geheimnis über Unnis Freitod zwar nicht, aber Ousep erkennt durch seine Recherche, dass er selbst womöglich ungewollt durch seine allabendlichen betrunkenen lautstarken Auftritte daheim, aber auch durch seine viel zu selten bekundete Liebe zu seiner Familie dazu beigetragen hat, dass Unni keinen Sinn darin sah, weiter zu leben. Gekonnt konfrontiert Joseph den in seinem unreflektierten Rhythmus lebenden realistisch gezeichneten Erwachsenen mit den noch suchenden Denkweisen junger Menschen. Der Roman konfrontiert Erwachsene mit der Denkweise Jugendlicher und zeigt, dass sie die Chance bietet, Zusammenhänge in neuem Licht zu sehen. Ein Roman vor dem Hintergrund der festgefahrenen sozialen Regeln der indischen Gesellschaft. (Übers.: Claudia Wenner)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das verbotene Glück der Anderen
Manu Joseph
Beck (2013)
375 S.
fest geb.