Teresa von Avila
Teresa von Avila, die spanische Karmelitin, Mystikerin und Klostergründerin, gehört zu den sperrigen Heiligen, zu denen man heute nicht mehr leicht Zugang findet. Das gilt auch dann, wenn man, wie Koldaus Biographie, sie darüber hinaus treffend
auch als eine Managerin und als Mitbegründerin der spanischen Literatur zeichnet. Doch Koldau gelingt es, diese Barrieren einzuebnen: Sie erschließt Teresa nicht nur vor dem Hintergrund ihrer Zeit, dem Spanien des 16. Jh. mit seinen religiösen Auf- und Umbrüchen, sondern bringt uns ihre Mystik durch ein sehr feinfühliges Begreifen ihrer Persönlichkeit nahe. Wir sehen in Teresa nicht nur die vollendete Lichtgestalt des Glaubens, die später zu Recht auch zur Kirchenlehrerin erklärt werden wird, sondern einen mitunter verzweifelt um Gott ringenden Menschen "auf dem Weg", dem nur Gott allein "genug" ist. Obwohl selbst weder Theologin noch Seelsorgerin, legt uns die Autorin hier ein Buch vor, das sowohl eine wissenschaftlichen Kriterien voll genügende Analyse von Zeit und Person, Leben und Denken Teresas ist als auch eine pastorale Hinführung und Ermutigung des Lesers zum großen Lebensthema der Heiligen: die innige, freundschaftliche und partnerschaftliche Beziehung von Gott und Mensch. Sehr zu empfehlen.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Teresa von Avila
Linda Maria Koldau
Beck (2014)
316 S. : zahlr. Ill., Kt.
fest geb.