Caravaggio
Schon zu Caravaggios Lebzeiten verschränkten sich die beiden großen Klischees über ihn: Er galt als "Erfinder" der naturalistischen Malerei, was mit seiner angeblichen Nähe zu zweifelhaften, ja kriminellen Milieus erklärt wurde. Diese schmale
Monografie der ausgewiesenen Caravaggio-Expertin will ein anderes, vielschichtiges Bild des Barock-Künstlers zeichnen. Hierzu stützt sie sich auf die Beschreibung und Interpretation der großen Werkgruppen mit religiösen und mythologischen Themen und der Genremalerei. Selbst wenn das geringe Format der Abbildungen in diesem Band die Vorstellungskraft der Leser/-innen doch stark beansprucht, so lassen sich die Argumentationslinien von Bildanalysen und -interpretationen sowie die Einbindung ins Gesamtoeuvre hervorragend nachvollziehen. Als Maler der Gegenreformation entwickelte Caravaggio eine fulminante Bildrhetorik. Die expressive Körperlichkeit der Figuren, ihre intimen (Blick-) Beziehungen und vor allem die ausgefeilte Licht- und Schattenregie ziehen bis heute die Betrachter in den Bann. Zudem können zahlreiche Bildzitate seiner großen Vorbilder Leonardo und Michelangelo aufgespürt werden, was die Gemälde in den damaligen kulturellen Diskurs erhob. Wie der Maler sein soziales "Kapital" in der römischen Kirchen- und Finanzelite zu nutzen wusste, ist ein weiteres, aufschlussreiches Kapitel in dieser so informativen und elegant verfassten Monografie.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Caravaggio
Sybille Ebert-Schifferer
C.H.Beck (2021)
C.H.Beck Wissen
128 Seiten : Illustrationen (teilweise farbig)
kt.