Die Kranichfrau
Was macht eine Frau, Professorin für kreatives Schreiben, Ende 30, wenn sie kurz vor der Hochzeit diese absagt und die Beziehung beendet? Sie schreibt – sie reflektiert ihr Verhältnis zu Männern und Frauen seit ihrer High-School-Zeit. In ihren
Essays auf der Suche nach Neuorientierung ist auch ihre Familie, Großmutter, Mutter, Vater, Schwester Objekt der Reflexion; mehrmals nimmt sie als Ausgangs- oder Anknüpfungspunkt für ihre Gedanken Filme oder Songs, die für sie von Bedeutung waren / sind. Alles dient dem Versuch, zu erkennen, wie sie Liebe definiert, wie sie Liebe gelebt hat, um sich letztlich das wiederholte Scheitern zu erklären und einen neuen Weg für sich und zu sich zu finden. Zwei Beispiele: Ihr Freund Joey war ein ausgesprochener Pessimist, immer und überall sah er Probleme. Sie sah ihre Aufgabe darin, seine Probleme zu lösen, im Glauben und in der Hoffnung, dass er, wenn er endlich glücklich sei, sie richtig lieben könne. Mit einem Jungen ging sie eine Beziehung ein, weil sie glaubte, er sehe die Welt genauso wie sie, er und sie seien etwas Besonderes. Beides keine Basis für ein dauerhaftes Zusammensein. Es gibt interessante Passagen, zum Nachdenken über die eigene Definition von Liebe, über die Größe des Engagements zum Erhalt von Beziehungen anregend. Interessant auch ihre Auseinandersetzung mit ihrem Körper. Schwierig sind die Passagen, in denen mit amerikanischer Literatur und Filmen gearbeitet wird – dazu fehlt sicher vielen Lesern in Deutschland die notwendige Kenntnis.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Kranichfrau
CJ Hauser ; aus dem Englischen von Hanna Hesse
C.H.Beck (2023)
334 Seiten
fest geb.