Die Insel

Franziska Grillmeier gibt unter die Haut gehende Eindrücke vom größten Fluchtlager Europas auf der griechischen Insel Lesbos wieder. Sie zog 2018 als Journalistin (u.a. ZEIT, Süddeutsche, ZDF) dorthin und litt an den erschütternden Schicksalen Die Insel und Lebenswegen mit, die sie erfuhr. So kam ein Bericht „vom Ausnahmezustand an den Rändern Europas“ zustande, in dem nicht Schlagzeilen wiedergegeben werden, sondern die Geflüchteten selbst stehen im Mittelpunkt und was das Leben im Lager mit ihnen macht. Lesbos ist eine „Pufferzone“ – womöglich für Jahre – für Menschen geworden, die auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge durch die überlasteten griechischen Behörden warten. Sie sah Geflüchtete unwürdig und traumatisiert in Olivenbaumfeldern, Schnee ließ manchmal die Zelte einbrechen. Es kam vor, dass Menschen an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starben, nachdem sie ihre Kleidung mit Hilfe von Feuerkohle trocknen wollten. Frauen traten in den Hungerstreik, um gegen die Zustände im Lager Mori, „einer Bühne von Rechtsverletzungen“, zu demonstrieren und ihre Freilassung auf das Festland zu fordern. Franziska Grillmeier hält viele Details fest: Eine Dusche mit kalt tropfendem Wasser für 80 Menschen, kaum vorhandene Hygiene, Stromausfälle, keine Privatsphäre, „ein überfülltes Freiluftgefängnis“, ein Ort des Ausgeliefertseins. Bewegend, erschütternd!

Berthold Schäffner

Berthold Schäffner

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Insel

Die Insel

Franziska Grillmeier
C.H.Beck (2023)

220 Seiten : Karten
fest geb.

MedienNr.: 613998
ISBN 978-3-406-79938-9
9783406799389
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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