Fall, Bombe, fall
Man schreibt das Jahr 1940. Karel ist 17 Jahre alt und lebt in den Niederlanden. Die Ehe seiner Eltern ist zerrüttet und Karel erträumt sich eine Welt, in der er alle seine Fantasien ausleben könnte und all das eintreten würde, was er sich wünscht.
Unter anderem, dass eine Bombe fallen und ihm Unliebsames vernichten würde. Doch jetzt ist Krieg und die Deutschen haben soeben die Niederlande überfallen. Erste Bomben fallen. Für Karel ist es ein Zeichen, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen könnten. Für einen Onkel, der ein außereheliches Verhältnis mit einer aus Deutschland geflohenen Jüdin zu haben scheint, bringt Karel Briefe zu der Frau. Dort lernt er Ria, die Tochter der Emigrantin, kennen und verliebt sich Hals über Kopf in das Mädchen. Doch Mutter und Tochter, die schon in Prag und Paris gewesen waren, gelingt wenige Tage später mit einem der letzten Schiffe die Flucht nach England. Ria wollte, dass Karel mitkommt, was dem Jungen durchaus gefallen hätte, aber jenseits jeder Realität gewesen wäre. Als er ein weiteres Mal seinen Onkel besuchen will, um ihm einen Abschiedsbrief der Geliebten zu überbringen, erhielt dessen Haus einen Bombentreffer. Onkel Robert ist tot, seine Frau schwerstverletzt in einem Behelfslazarett. Weil keine Züge mehr fahren, muss Karel zu Fuß nach Hause gehen und sieht nachts den Schein der brennenden holländischen Städte. - Eine nachdenklich machende und durchaus aktuelle Geschichte über den Krieg an sich, der Jugend zerstören, Wünsche vernichten und Perspektiven in Schutt und Asche legen kann.
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Fall, Bombe, fall
Gerrit Kouwenaar ; aus dem Niederländischen von Gregor Seferens
C.H.Beck (2024)
123 Seiten
fest geb.