Meine wilde Nation
Was sind die Aufgaben und Probleme von Alex Lissitsa, dem CEO eines der größten Agrarunternehmen der Ukraine vor und während des Krieges? Er ist einer der bekanntesten Landwirte seines Landes, international gefragter Experte für Agrar- und Lebensmittelwirtschaft
und zuständig für eine Nutzfläche, die so groß ist wie ein Drittel der Anbaugebiete der Schweiz. Seit Russland das Land besetzt hält, gingen 100.000 von insgesamt 120.000 Hektar verloren. Dazu gehören Milchhöfe, Kühe und Siloanlagen. Ein Kapitel handelt vom „heiligen Produkt“, der Kartoffel. Die Ukraine erntet weltweit die meisten davor. Leider kommen durch falsche Lagerung bisher drei Viertel nicht zum Verkauf, sondern landen bei Schweinen oder verfaulen. Ein riesiges Problem sind die verminten Felder. Seine Podcast-Reihe „Minen und Landwirtschaft“ macht ihn quasi zum Experten. Wochenlang reist er von Dorf zu Dorf, von Hof zu Hof und lernt die Sorgen, z.B. den Mangel an Saatgut, kennen. Acht Millionen Menschen haben inzwischen das Land verlassen, sodass es aktuell auch an Traktorfahrern mangelt. Lissitsa ist skeptisch, ob die Fachkräfte zurückkehren. An vielen Stellen des Buches ist zwar noch von Korruption, alten Strukturen und Seilschaften die Rede, am Ende jedoch und nach politischen Fortschritten wirbt der Autor für die EU-Mitgliedschaft, was ein Gewinn für alle Europäer wäre. Ein hervorragendes Buch, mal aus der Perspektive eines Landwirts!
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Meine wilde Nation
Alex Lissitsa
C.H.Beck (2024)
285 Seiten : Karten
fest geb.