Das Watt
Wer zum ersten Mal an der Nordsee ist und statt des erhofften Meeres nur ein "totes" Watt findet, ist sicher genauso enttäuscht, wie es der Autor als kleiner Junge war. Doch schnell merkt jeder, dass diese so uniform und leblos wirkenden Schlickmassen
von Leben nur so wimmeln, ja, dass sich dort mehr Lebewesen tummeln als im Regenwald. Und man lernt bald, dass das Watt, das sich am Saum der Nordsee von Dänemarks Norden bis zu den Niederlanden zieht, ein einzigartiges Biotop ist, das es auf unserem Planeten nicht mehr gibt – das aber durch die stetig zunehmende Umweltzerstörung akut bedroht ist, was auch nachhaltigste Auswirkungen für das Leben im Inland hätte. Deshalb steht das Watt auch in mehreren Nationalparks unter strengem Schutz. – In seinem Buch gelingt es Hansjörg Küster, Professor für Pflanzenökologie, auf eindrucksvolle Weise, Leser:innen das Watt in allen Dimensionen näherzubringen. Er erklärt sein Aussehen, sein Entstehen, seine ökologische Bedeutung, aber auch seine Rolle als Wiege des Lebens und jahrhundertealter Lebensraum der Menschen dieser Region, die gelernt haben, mit und vom Watt zu leben. Er zeigt auf, wie das Faszinosum Watt in Malerei und Literatur seinen festen Platz gefunden hat und wie eine gute Zukunft für diese einzigartige Landschafts- und Lebensform aussehen kann. Küster schreibt fesselnd: Er vermag, wissenschaftliche Phänomene und Fakten auch für Laien absolut nachvollziehbar zu vermitteln. Und macht so Lust, das Watt wieder mal zu besuchen oder es kennenzulernen. So müssen Sachbücher geschrieben sein, um wirklich jeden zu erreichen!
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Watt
Hansjörg Küster
C.H.Beck (2024)
238, [16] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.