Gemeinsinn
Spaltung und Polarisierung gefährden zunehmend die demokratischen Gesellschaften (und das Überleben der Menschheit); Gemeinsinn scheint immer mehr auf der Strecke zu bleiben. Doch was ist Gemeinsinn überhaupt, und wie kann man den negativen Tendenzen
entgegenwirken? Das Autorenehepaar, das 2018 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, analysiert den Begriff detailliert insbesondere aus kulturwissenschaftlichem, sprachlichem und ideengeschichtlichem, auch religiösem Blickwinkel. Wie schon Ulrich Schnabel in "Zusammen" (BP/mp 23/502) warnen sie vor der Vereinnahmung des Begriffs im Sinne von Gleichschaltung für Gruppeninteressen. Sie fordern gegenseitigen Respekt für verschiedene kulturelle Identitäten, die nicht nivelliert werden, sondern miteinander in Dialog treten sollten unter dem Dach allgemein menschlicher Werte. In unserer westlichen Welt stehen Rechte stark im Vordergrund, von anderen Kulturen könnten wir (wieder)lernen, dass dem auch Pflichten gegenüberstehen. Im letzten Kapitel werden einige Beispiele gelebten Gemeinsinns vorgestellt. – Über weite Strecken bleibt dieses für den gesellschaftlichen Diskurs zweifellos wichtige Buch im Gegensatz zu Schnabel allerdings sehr akademisch geprägt und dürfte sich daher nur für ausgebaute So-Bestände eignen.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Gemeinsinn
Aleida Assmann, Jan Assmann
C.H.Beck (2024)
262 Seiten : Illustrationen
fest geb.