Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch

Es ist nicht übertrieben, wenn man Elke Schmitters "Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch" in eine Reihe mit den großen intellektuell-feministischen Romanen des 20. Jh. stellt. Als Begründerin dieser Tradition mag Ingeborg Bachmann Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch und ihr 1971 erschienenes Werk "Malina" gelten, zu dem es tatsächlich auffallend viele Parallelen gibt: Hier wie dort wird eine geradezu existenzialistische Liebesbeziehung aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin beschrieben, die sich in ein kurzes Glück und eine lange Phase weiblicher (Selbst-)Zerstörung unterteilt. Helena, so der Name von Schmitters Heldin, begegnet Levin und es entsteht von einer Sekunde auf die andere ein kurzes, aber intensives Liebesverhältnis, das sich allerdings schnell als faschistisches Machtspiel entpuppt, in dem es um die Unterwerfung einer Frau durch einen narzisstischen Mann geht. Im Unterschied zu Bachmann, deren Erzählerin am Ende in einer Wand verschwindet und vollständig vernichtet wird, gelingt es Levin allerdings nur, Helena im digitalen Raum auszulöschen, sie zu ghosten. In der analogen Wirklichkeit schafft sie es nach einem Jahr intensiver Auseinandersetzung, an den Anfang eines Heilungsprozesses zu gelangen. – Gelungen ist Elke Schmitter in ihrem neuen Buch eine komplexe, sprachlich anspruchsvolle Textur, die alle gerne lesen werden, die Sinn für anspielungsreiche Literatur haben und nicht vor ihrer geistigen Bewältigung zurückschrecken.

Antonie Magen

Antonie Magen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch

Alles, was ich über Liebe weiß, steht in diesem Buch

Elke Schmitter
C.H.Beck (2024)

348 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619790
ISBN 978-3-406-82228-5
9783406822285
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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