Das Buch vom Salz
Im Jahr 1929 wird der homosexuelle Vietnamese Binh Koch im Pariser Haushalt von Gertrude Stein und ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas und bleibt es bis zu deren Amerika-Tour 1934. Dabei lernt er die Eigenheiten "der Steins" kennen, die in ihrer
Wohnung im 6. Arr. fast alle berühmten Literaten und Künstler dieser Zeit empfangen. Er selbst verliebt sich in dieser Zeit in seinen "Sweet Sunday Man". – "Das Buch vom Salz" der Exilvietnamesin Monique Truong ist in Deutsch erstmals 2004 erschienen, hier liegt die erste Taschenbuchauflage vor. In diesem Roman wird in einer sehr sinnlichen und bildmächtigen Sprache das vielschichtige Leben Binhs geschildert, seine jungen Jahre im kolonialen Vietnam, seine Zeit als Seemann, seine Homosexualität und schließlich seine Zeit als Koch bei "den Steins". Wer eine Art "name dropping" aus dem Pariser Salon von Gertrude Stein erwartet, wird etwas enttäuscht sein, hier wird vielmehr - auch mit einem gewissen schelmenhaften Augenzwinkern - ein außergewöhnliches Leben geschildert zwischen Heimat und Exil, Liebe und Enttäuschung und der Dualität von Eigenständigkeit und Dienerschaft. Dabei spürt man zwischen den Zeilen immer die Liebe zu allen Geschmacksnuancen, Gerüchen und Düften. – Kein Buch für "Schnellleser", aber Freunde einer poetischen Sprache werden an diesem Roman ihre Freude haben.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Buch vom Salz
Monique Truong ; aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk
C.H.Beck (2024)
335 Seiten
kt.