Digitaler Kolonialismus
Für viele ist die sog. Digitale Revolution der Segen der Neuzeit: schnelle Erreichbarkeit, hierarchielose Nutzbarkeit des Internets und der sozialen Medien, eine ökologisch unbedenkliche Vorgehensweise. Doch wenn man einmal hinter die Kulissen dieser
"stillen Revolution" schaut, findet man schnell Erschreckendes: Internet, KI und Co. haben längst zu etwas geführt, was die Dokumentation "Digitalen Kolonialismus" nennt: Menschen werden zu Niedriglöhnen als Callcenter- und andere Klickarbeiter ausgenutzt. Vor allem die Länder der südlichen Hemisphäre, die das "neue Gold", wie seltene Erden, und andere für die Computerindustrie nötige Rohstoffe besitzen, werden rigoros ausgenutzt. Die angeblich umweltschonenden digitalen Techniken produzieren Energiekosten in sich potenzierenden Höhen. Und nicht zuletzt durch die Möglichkeit von Kabel- und Satellitenprojekten sind der globalen Überwachung und dem politischen Missbrauch durch totalitäre Regime Tür und Tor geöffnet. – Mit aufwändigen Recherchen haben die Autoren das Thema erforscht. Das geht von der Ausbeutung von Arbeitern für die KI über dunkle Machenschaften von international agierenden Tech-Konzernen bis zur Rohstoffförderung auf Kosten von Menschen und Natur, von der digitalen Abhängigkeit des Globalen Südens vom Norden über das digitale Wettrüsten der USA und Chinas bis zur Rolle Europas in der nationalen und internationalen Digitalisierung. – Die Dokumentation ist sachlich, detailreich recherchiert, und gerade deshalb macht sie beklommen. Daher ist das Buch wichtig und für alle Bestände sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Digitaler Kolonialismus
Ingo Dachwitz/Sven Hilbig
C.H.Beck (2025)
351 Seiten : Karten, Diagramme
fest geb.