Israel im Krieg

Gerade hatte Saul Friedländer sein Israel-Tagebuch mit dem Titel "Blick in den Abgrund" (BP/mp 24/216) abgeschlossen, als die Hamas am 7. Oktober 2023 das Massaker verübte, das den neuen Nahostkrieg auslöste. Also entschloss sich der renommierte Israel im Krieg Holocaust-Forscher und kluge Beobachter des Nahostkonfliktes zu einer Fortsetzung des Tagebuches, das nun unter dem Titel "Israel im Krieg" erschienen ist. Der Autor konstatiert ein beispielloses Versagen von Geheimdiensten und Armee, das den Terrorakt der Hamas erst möglich gemacht habe, und sieht in Premierminister Netanjahu den Hauptverantwortlichen. Die ganze Regierung sei "ein Haufen von Verrückten" (S. 8), die das Vertrauen des israelischen Volkes verloren habe. Das erschwere die notwendige Selbstverteidigung gegen Israels Feinde, die alle Juden aus dem Nahen Osten vertreiben wollen. Friedländer analysiert die tiefe Spaltung von Israels Regierung und Gesellschaft. Seine besondere Sorge gilt dem wachsenden Antisemitismus auch in der westlichen Welt. Er ist zerrissen zwischen den militärischen Notwendigkeiten der Selbstverteidigung auf der einen und dem Mitgefühl für die leidende Zivilbevölkerung Palästinas auf der anderen Seite. Am Ende sei ein dauerhafter Friede nur mit einer Zwei-Staaten-Lösung denkbar. Das Tagebuch endet im Mai 2024, berücksichtigt also den eskalierenden Libanonkrieg nicht mehr. – Die Neuerscheinung vermittelt tiefere Einblicke in die aktuelle Bedrohungslage für den Staat Israel und verdient eine breite Empfehlung.

Johann Book

Johann Book

rezensiert für den Borromäusverein.

Israel im Krieg

Israel im Krieg

Saul Friedländer ; aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
C.H.Beck (2024)

203 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619803
ISBN 978-3-406-82456-2
9783406824562
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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