Geschichte des Nahen Ostens
Dem Kulturhistoriker Jakob Krais gelingt mit diesem schmalen Band eine kompakte, hochinformative und ermüdungsfrei lesbare Dokumentation. Vorkenntnisse jenseits einer soliden Allgemeinbildung sind nicht nötig. Der Autor setzt ein beim Ägyptenfeldzug
Napoleons 1798, der in Europa ein nachhaltiges Interesse am Land entlang des Nils sowie seiner Region schuf. Interessant in den ersten Kapiteln ist der Erzählstrang entlang lokaler Persönlichkeiten als Treiber von Veränderungen. Diese sind meist vom sozialen, administrativen und naturwissenschaftlichen Fortschritt Kontinentaleuropas beeinflusst. Dazu kommen Neuerungsbewegungen aus dem Islam, wenn auch mit einer Bandbreite von vergleichsweise liberalen Ansatzpunkten (Alphabetisierung, Bildungswesen, Infrastruktur) bis hin zu puritanisch-radikalen Formen wie dem Wahhabismus. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Betrachtung ist die Kolonialzeit, die für jedes Land der Region individuell dargestellt wird. Der Autor kann in seinem abschließenden Ausblick Entwicklungslinien nur anreißen, ist von der internationalen Bedeutung gerade der reichen Golfstaaten auch nach ihrer "Öl- und Gaszeit" überzeugt. – Recht lesenswert. Ab mittleren Beständen empfohlen.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Geschichte des Nahen Ostens
Jakob Krais
C.H.Beck (2025)
C.H.Beck Wissen ; 2964
128 Seiten : Karten
kt.