Warum es so gekommen ist

Die geläufige Auffassung, dass Historiker schreiben sollten "wie es eigentlich gewesen ist" wandelt der Doyen der jüngeren deutschen Geschichtsschreibung, Heinrich August Winkler, in den Titel seines Buchs. Memoirenartig blickt der fast 87-jährige Warum es so gekommen ist auf sein Leben zurück, ohne dabei die Gemeinplätze des Genres zu bedienen. Autobiografisches ist strikt getrennt von den beruflichen Stationen, politische Interventionen von seinen Sichtweisen auf Weltbeweger in ihrer Zeit. Churchill, Adenauer, Schäuble, Jürgen Habermas seien stellvertretend genannt. Das Werk ist auf das Feinste durchkomponiert. Dicht und faktenreich im Stil, elegant in seinen Übergängen von Thema zu Thema, unterhaltsam, wenn überraschende Zitate oder Anekdötchen es kurz menscheln lassen. Winkler, stets Grandseigneur, hat zudem die Souveränität, einige seiner Fehleinschätzungen zu Zeiten einzugestehen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Andererseits verteidigt er einzelne Lapsus weiter beharrlich wie beispielsweise seine aus juristischer Sicht unhaltbare Position zum individuellen Asylrecht. Petitessen, die vor dem beeindruckenden Lebenswerk des Historikers verblassen. Nicht nur ein Buch für die Bewunderer Heinrich August Winklers, auch Appetitanreger auf weitere Werke des Autors. In jedem Fall der lebenssatte Rückblick eines Gestalters der Epoche von den Nachkriegsjahren bis in die Gegenwart.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Warum es so gekommen ist

Warum es so gekommen ist

Heinrich August Winkler
C.H.Beck (2025)

288, [XVI] Seiten : Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.

MedienNr.: 623076
ISBN 978-3-406-83631-2
9783406836312
ca. 30,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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