Der andere Arthur
Arthur Opp ist ein etwa 60-jähriger, stark übergewichtiger ehemaliger Literaturdozent. Der Mann wiegt 250 Kilogramm, hat sich in seinem Haus in Brooklyn von der Welt und auch ein Stück weit von sich selbst zurückgezogen. Der warmherzige und liebevolle
Mensch lebt völlig vereinsamt und kommt mit seinem Leben nicht mehr zurecht. Kontakte zur Außenwelt hat er kaum – nur zu den Lieferanten, die ihm Essen und alles andere zum Leben Nötige bringen. Als er sein verwahrlostes Haus herausputzen lassen will, tritt Yolanda in sein Leben. Die unterstützende Haushaltshilfe, zugleich aber auch selbst hilfsbedürftige junge Frau, verändert sein Leben nachhaltig. Als der Arthur zudem einen verzweifelten Anruf von Charlene, einer alten Freundin aus College-Zeiten, erhält, gerät seine erstarrte Ordnung endgültig ins Wanken. Charlene war früher seine Studentin. Nun bittet ihn die alkoholkranke 36-jährige Frau, ihrem Sohn Kel bei den Collegebewerbungen zu helfen. Auf Wunsch seiner Mutter besucht Kel die elitäre Highschool im vornehmen Pells Landing und soll anschließend aufs College gehen. Doch Kel wäre lieber auf die einfache Yonkers High gegangen, wo er aufgewachsen ist und wo seine Freunde leben. Er möchte auch nicht studieren, sondern strebt eine Karriere als Baseballprofi an. Und dann beginnen sich die Leben von Arthur und Kel zu kreuzen. – Liz Moore („Long Bright River“ (BP/mp 20/420), „Der Gott des Waldes“ (BP/mp 25/399)) präsentiert mit ihrem Roman eine anrührende Geschichte über zwei gesellschaftliche Außenseiter. Die Autorin erzählt abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten und setzt sich intensiv mit den Themen Einsamkeit, Verlust, zerbrochene Lebensentwürfe und die Heilkraft von Beziehungen auseinander. Ihre völlig unterschiedlichen Figuren sind authentisch, verletzlich und glaubwürdig gezeichnet. Der feinfühlig erzählte Roman ist gut lesbar, voller Menschlichkeit und überall sehr gut einsetzbar.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der andere Arthur
Liz Moore ; aus dem Englischen von Cornelius Hartz
C.H.Beck (2026)
377 Seiten
fest geb.