Wenn China angreift
Andreas Fulda, Politologe mit fachlichem Schwerpunkt China/Taiwan, schildert ein dramatisches Szenario: Den hypothetischen Angriff Chinas auf das Hochtechnologieland Taiwan. Angelegt ist das Ganze als Hybrid aus spekulativer geopolitischer Analyse,
kontrafaktischer Geschichte – das Ganze spielt im Jahr 2027 – und Weckruf für die deutsche Öffentlichkeit. Denn für den Autor wird das autokratische System Chinas hierzulande zu oft weichgezeichnet. Mehr Härte sei angeraten, auch indem Deutschlands Exportwirtschaft vom Markt China unabhängig werde und Taiwan mit Waffen versorge. Der Preis für eine Invasion des Inselstaats müsse massiv hochgetrieben werden. Fulda möchte die gewaltsame Eingliederung der Inselrepublik in Großchina durch eine scharfe Kante gegenüber dem Reich der Mitte verhindert wissen. Differenzierungen gegenüber der chinesischen Politik erscheinen darum verkürzt, andere Optionen werden mehr gestreift als vertieft. – Stilistisch erinnert die Darstellung an meinungsstarke Leitartikel: prägnant, zugespitzt, und dabei zugänglich für eine breite Leserschaft. Den selbst vorweggenommenen Vorwurf anti-chinesischer Affekte pariert der Autor knapp und mit steifer Oberlippe. Einerseits wirkt dieser Debattenbeitrag recht erfrischend. In Stil, Aufbau und seiner Entschiedenheit allerdings auch als Variante von Carlo Masalas Buch „Wenn Russland gewinnt“ (BP/mp 25/815) aus dem Vorjahr, ebenfalls aus den C. H. Beck Verlag. Ergänzt Bestände zum Thema China.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wenn China angreift
Andreas Fulda
C.H.Beck (2026)
154 Seiten
kt.