Köln
Der bekannte, in Siegen geborene Orientalist und Schriftsteller Navid Kermani widmet seiner Wahlheimat Köln, in der er schon rund vier Jahrzehnte sein Zuhause hat, und den hier lebenden Menschen, ein Buch. Darin sind unter verschiedenen Rubriken oft
durchaus auch literarisch anspruchsvolle Texte zusammengetragen, die er bereits früher einmal als Reden gehalten, als Essays in Büchern oder als feuilletonistische Beiträge in Zeitungen veröffentlicht hat. Kermani erweist sich dabei als ein scharfsinniger und reflektierter Beobachter sowohl seines Heimatviertels, dem multikulturellen Eigelstein nördlich des Kölner Domes, als auch der Kölner Kunst- und Kulturszene insgesamt. Erfrischend dabei immer wieder seine vergleichend herangezogenen Beispiele aus dem persisch-orientalischen Kulturkreis. Der Autor charakterisiert Köln insgesamt als eine Stadt, die aus ihren kulturellen Schätzen zu wenig Kapital schlägt und die eine Tendenz hat, zu einer Party- und Feiermeile zu verkommen. Ihren Bewohner:innen bescheinigt er eine überbordende Liebe zu ihrer Heimatstadt trotz vieler Probleme und nicht zu übersehender Vernachlässigungen und Schmuddelecken. – Für alle Kölner:innen und im Rheinland Lebenden sind diese sehr trefflichen Beschreibungen und Charakterisierungen fast eine Pflichtlektüre. Aber auch andere Nutzer:innen können diese Betrachtungen des Kölner Seelen- und Innenlebens mit Gewinn, etwa begleitend zu einem Stadtbesuch, lesen. Daher breit empfohlen.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Köln
Navid Kermani
C.H.Beck (2026)
174, [8] Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.