Holunderholz
Nach dem Tod seiner Mutter beginnt Johann, Systemprogrammierer und Techniker, das altertümliche Tonbandgerät seines Großvaters instand zu setzen. Anhand der vorliegenden Tonspuren und den Notizheften seiner Mutter versucht er nicht nur, die Nachkriegsjahre
seines Großvaters nachzuvollziehen, sondern findet auch Hinweise auf die Ursachen der verheerenden Explosion in Prüm, die das Eifelstädtchen 1949 nach dem Krieg ein weiteres Mal in Schutt und Asche legte. Und woher kam Rose, das stumme Mädchen, das seinen Großvater begleitete, als er als Samenhändler Überland fuhr? Er findet in den Aufnahmen keine Antworten nur Andeutungen und Fragmente. Beruflich wirkt Johann erfolglos und verloren, genau wie in seiner Liebesbeziehung zur verheirateten Maria. Wieder einmal erzählt der Autor eine Geschichte aus seiner Heimatregion Eifel so faszinierend und eindrücklich, dass sie die Leser:innen nicht loslässt. Aufgeklärt werden die Familiengeheimnisse nicht, aber auf der Suche nach Erinnerungen findet Johann Erkenntnisse für sein gegenwärtiges Leben. Der Text ist nicht immer einfach, wird aber dennoch überall empfohlen.
Barbara Dorn
rezensiert für den Borromäusverein.
Holunderholz
Norbert Scheuer
C.H.Beck (2026)
264 Seiten
fest geb.