Ich bin Linus
Linus Giese ist bereits 31, als er beginnt öffentlich zu machen, was er schon immer fühlte: dass er sich männlich fühlt und auch endlich so behandelt werden möchte. Er nennt sich fortan Linus und arbeitet in der Folgezeit als Buchhändler in Berlin.
Seine Transition geschieht in kleinen Schritten; für jede Änderung an seinem Körper und seiner Lebensumstände benötigt er Mut und muss viele innere Kämpfe ausfechten, bevor er sie nach und nach in die Tat umsetzt und sich ein neues soziales Umfeld aufbauen kann. Linus Giese teilt mit den Leser:innen seine Ängste, seine Sorgen und seine ganz privaten Gedanken auf seinem Weg, der auch heute noch nicht abgeschlossen ist und vermutlich auch nie abgeschlossen sein wird, wie er selbst sagt. Um körperliche Veränderungen auf den Weg zu bringen, muss er sich mit vielen Ärzten, Psychologen und Verwaltungsstellen auseinandersetzen und als Leser:in leidet man mit ihm, als er mit Hass im Netz und auch konkret zuhause und am Arbeitsplatz konfrontiert wird. Linus ist seitdem einen langen Weg gegangen, der ihn aber doch glücklich und zufrieden macht. - Das Buch erschien bereits 2020 (in BP/mp nicht bespr.), dieser Neuausgabe hat Linus Giese jedoch einen neuen Epilog zugefügt, der über seine Fortschritte in den letzten drei Jahren berichtet. Ein flüssiger und gut zu lesender Schreibstil machen das Buch zu einem beeindruckenden Leseerlebnis, vor allem auch für junge Leute, die Literatur zum Thema Transsexualität suchen.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich bin Linus
Linus Giese
Gulliver (2023)
221 Seiten
kt.