Eine gute Schule
Der erstmals in den USA erschienene Roman (A Good School, 1987) dieses zu Lebzeiten wenig beachteten amerikanischen Schriftstellers (1926 - 1992) ist nun von der DVA im Rahmen einer Gesamtausgabe der Werke von Yates in der Übersetzung von Eike Schönfeld
neu herausgebracht worden. Der Roman mit dem, wie sich rasch herausstellt, doppeldeutigen Titel schildert die Zustände in einer im landläufigen Sinne keineswegs "guten" neuenglischen Internatsschule. Denn weder die Lehrer noch die Schüler erweisen sich als besonders qualifiziert oder motiviert. (Konsequenterweise wird die Schule auch geschlossen, als der spendierfreudigen Hauptsponsorin das Geld ausgeht.) Die zum Teil sehr bitteren Erfahrungen, die der heimliche Held, der Stipendiat William Grove, allerdings mit Lehrern und Mitschülern machen muss, haben durchaus prägenden und letztlich positiven Einfluss auf sein weiteres Leben und seine Persönlichkeitsentwicklung. Nur teilweise erfüllt sich freilich der Wunsch der Mutter, die sich den sozialen Aufstieg ihres Sohnes erhofft hatte. Obwohl überwiegend aus der Sicht des William Grove (Alter Ego des Autors) erzählt wird, ist der interessante und spannend erzählte Adoleszenzroman auch multiperspektivisch angelegt, sodass weitere wichtige Handlungsträger sehr intensiv beleuchtet werden und ein sehr farbiges, manchmal geradezu schonungslos entlarvendes Porträt der amerikanischen Mentalität und insbesondere des amerikanischen Schulsystems der vierziger Jahre gezeichnet wird. Durchaus lesenswert.
Eine gute Schule
Richard Yates
Dt. Verl.-Anst. (2012)
230 S.
fest geb.