Das Wüstenhaus
Nur widerwillig fährt die 17-jährige Maja aus Freiburg mit ihren Eltern in Urlaub, nach Djerba. Dort lernt die Familie einen jungen Journalisten kennen, auch Maja ist begeistert von ihm. Kurz bevor er Djerba verlässt, empfiehlt der Journalist der
Familie eine Synagoge zu besichtigen. Doch war seine Empfehlung ein Fehler? - Er wusste doch, dass im Lande Unruhen herrschten. So sieht es jedenfalls Maja, die sich sechs Jahre später bei dem Journalisten meldet und ihm erklärt, dass ihre Eltern einem Anschlag auf die Synagoge zum Opfer fielen. Ohne seine Figuren minutiös zu charakterisieren, gelingt es Wolfram, sich ihnen wie auch dem Geschehen selbst sensibel zu nähern: Der ungeheuerlichen Schuldzuweisung der Protagonistin, die ihre traumatischen Erlebnisse nie verarbeitet hat, begegnet der Journalist mit Verständnis, aber auch mit Hilflosigkeit. Er ist es auch, der versucht, sich mit ihr gemeinsam den Fakten zu stellen und ohne die Schuldigen zu finden, in den Alltag zurückzukehren. Sehr spannend.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Wüstenhaus
Gernot Wolfram
Dt. Verl.-Anst. (2011)
215 S.
fest geb.