Ein tadelloses Glück
Zum 150. Geburtstag von Thomas Mann hat der TV- und Filmautor Heinrich Breloer seine reiche Film-Dokumentation zur Familie Mann und zum Bestseller "Buddenbrooks" aus den 70er Jahren ergänzt. Wie in den Filmen verbindet er Dokumentation und Unterhaltung.
Weitere Informationen, die er seitdem sammeln konnte, stellt er in 62 meist kurzen Kapiteln vor. Sie sind fast wie Filmszenen entworfen, z.T. dialogisch inszeniert und leben von den Empfindungen und Gefühlen der dargestellten Personen. Dazu gehören die Eltern, der Konkurrenz-Bruder Heinrich, die Schwestern Carla, eine verzweifelnde Schauspielerin, und Julia, genannt Lula, die in ihrer Vernunft-Ehe nicht glücklich ist. Lebendig gezeichnet werden seine Freunde, aber auch die Eltern von Katia Pringsheim und zwei ihrer Brüder, Erich, der Spieler, und der musikalische Klaus. Breit und mit deutlichem Interesse an der langen Werbung um seine Prinzessin Katia zeigt Breloer die Techniken, die Thomas Mann dabei anwendet. In der Mischung aus Gefühl und Kalkül bemüht sich dieser um die Aufnahme in eine sehr angesehene, vermögende Familie. Damit will er seine gesellschaftliche Anerkennung absichern; denn diese erscheint ihm gefährdet durch sein gefühltes Außenseitertum als Künstler und seine homoerotischen Neigungen. Nur hinter der großbürgerlichen Fassade kann er in seinen Werken in verhüllender Form von diesen "Schwächen" sprechen. Natürlich werden auch literarische Werke als Spiegel seiner Persönlichkeit vorgestellt. Breloer sieht Thomas Mann mit einfühlsamem, aber auch durchaus kritischem Blick. So liest man mit stets lebendigem Interesse.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ein tadelloses Glück
Heinrich Breloer
DVA (2024)
462 Seiten
fest geb.