Verlorene Heimat

Zu den Opfern des Zweiten Weltkriegs gehören neben den Toten und Verstümmelten auch die Millionen Heimatvertriebenen. Statistisch hat jede vierte Familie in Deutschland Anteil an einer Flüchtlingsgeschichte aus dieser Zeit. Die beiden Herausgeber Verlorene Heimat widmen sich der Vielgestaltigkeit der Schicksale in Kurzreportagen und Interviews. Es ist ihr Verdienst, den Blick zu weiten und u.a. Ukrainer, Polen, Deportierte und erinnerungswürdige Einzelaspekte wie die nach 1945 errichteten Flüchtlingsstädte Espelkamp und Föhrenwald vorzustellen. Alle Artikel sind bereits in verschiedenen Ausgaben der Reihe "SPIEGEL GESCHICHTE" des Hamburger Magazins erschienen. Wie bei der Zweitverwertung nicht unüblich, unterscheiden sich die Beiträge qualitativ und thematisch erheblich. Besonders berührend bleiben die Beiträge von Markus Deggerich und Dela Kienle in Erinnerung. Über die lebenslange Prägung der Flucht seines Vaters, damals noch ein Kind, sowie ihr Porträt von Marion Gräfin Dönhoff, deren Wirken als Herausgeberin der ZEIT ohne die Erschütterungen der Flucht nicht verständlich sind. Das Werk schließt mit konkreten Empfehlungen, wie man die Fluchtgeschichte der eigenen Familie recherchieren kann. Und einer Sammlung von Kochrezepten aus der alten Heimat von Schlesiern, Ostpreußen und Banater Schwaben. Lesenswert. Für jeden Bestand geeignet.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Verlorene Heimat

Verlorene Heimat

Felix Bohr und Solveig Grothe (Hg.)
DVA (2024)

235 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.

MedienNr.: 754180
ISBN 978-3-421-07040-1
9783421070401
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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