Die Frau aus Flandern
Inspiriert durch Fotos aus der Sammlung ihrer Freundin, der Fotografin Renate Niebler, beginnt die Autorin akribisch über das Leben einer jüngeren Frau auf einem der Fotos zu recherchieren. Sie erfährt, dass es sich dabei um die 1913 geborene Ady
von den Eynden handelt. Seifert spürt eine ehemalige noch lebende Kollegin Adys auf, die zusammen mit Ady in den 1930er Jahren für den Front-Reparatur-Betrieb von Daimler-Benz in Antwerpen gearbeitet hat. Die Firma wurde 1944 nach Deutschland verlegt, sodass die beiden Frauen sich gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen und als - wenn auch bevorzugt behandelte, da der "arischen Rasse" zugeordnete - Zwangsarbeiterinnen zu arbeiten. Seifert webt eine spannende Biografie, in der sie versucht, die vorhandenen Lücken so realistisch wie möglich zu füllen. - Die zahlreichen Fotos und die Einbindung der Kollegin der Protagonistin als Zeitzeugin lassen diese Geschichte zur Biografie einer Frau werden, deren Entwurzelung auch angesichts ihrer späteren Ehe mit einem Deutschen bis weit über das Dritte Reich hinaus reicht.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Frau aus Flandern
Claudia Seifert
Dt. Taschenbuch-Verl. (2013)
dtv ; 24979 : dtv-premium
253 S. : Ill., Kt.
kt.