Luftsprünge
Der Titel weckt vielfältige und große Erwartungen, die dieser Sammelband nur zum Teil erfüllt. Jedes Land wird von einem modernen Schriftsteller repräsentiert, wobei die einzelnen Texte nur für sich allein stehen können. Es gibt keine thematischen
oder formalen Grundlinien. Viele Gedichte und noch etwas mehr Erzählungen, die z.T. zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt worden sind, wollen einen Eindruck von der Vielfalt Europas geben und zugleich neugierig auf noch unbekannte Nationalliteraturen machen. Die Erzählformen zeigen breite Vielfalt, die Auswahlkriterien sind "streng subjektiv", wie der Herausgeber schreibt. Er ist selbst erstaunt darüber, dass nicht wenige Texte die politischen Konflikte der letzten Jahre wie den Balkankrieg oder den Ukraine-Konflikt behandeln. Sergej Lebedev erklärt die geistige Situation Russlands. Aris Fioretos thematisiert den Sprachwechsel in einer Einwanderungsfamilie. Einige Texte verfallen allerdings in düstere Endzeitstimmung oder stellen recht seltsame Begebenheiten vor. Berühmte Autoren sind z.B. Michel Houellebecq, Christos Ikonomou, Orhan Pamuk oder Eva Menasse, die meisten Namen aber werden deutschen Lesern noch unbekannt sein. Die Gedichte sind als moderne Lyrik fast immer nicht gleich zugänglich. Deutschland wird von Nico Bleutge vertreten, dessen rhythmische Prosagedichte den steten Fluss von Eindrücken festhalten. Für größere Bestände.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Luftsprünge
hrsg. von Thomas Geiger
Dt. Taschenbuch-Verl. (2015)
dtv ; 26070 : dtv-premium
367 S. : Kt.
kt.