"Und wir verrosten im Hafen"
Die ganze Tragik der kaiserlichen Hochseeflotte wird in einer Notiz des damaligen Korvettenkapitäns und späteren Staatssekretärs E. v. Weizsäcker auf den Punkt gebracht: "Diese Marine! Entsprungen dem Weltmachtsdünkel, verdirbt unsere Auswärtige
Politik 20 Jahre lang, hält ihre Versprechungen im Kriege nicht und entfacht nun den Umsturz!" In der Tat trug das Prestigeprojekt Wilhelm II. wesentlich zur Entstehung des Ersten Weltkrieges bei, und ausgerechnet die Meuterei der Marinesoldaten Anfang November 1918 läutete den Untergang des Kaiserreiches ein. Wie es dazu kommen konnte, schildert dieses aus einer Dissertation entstandene Sachbuch, das sich in besonderer Weise auf Tagebücher, Briefe und Erinnerungen deutscher und britischer Zeitzeugen stützt. Nach dem gefühlten deutschen Sieg in der Seeschlacht vor dem Skagerrak (1916), der aber weder die Blockade noch die britische Seeherrschaft aufbrechen konnte, und dem letztlich gescheiterten uneingeschränkten U-Boot-Krieg musste die deutsche Flotte nach dem Waffenstillstand an England ausgeliefert werden. Die wenig ruhmreiche Geschichte der ehemals kaiserlichen Marine endete am 21. Juni 1918 mit der Selbstversenkung, die von vielen Zeitgenossen als letzter heroischer Akt empfunden wurde. - Bemerkenswert an diesem militärhistorischen Werk ist vor allem der quellengestützte Einblick in die Erlebnis- und Gedankenwelt der auf deutscher und britischer Seite beteiligten Soldaten.
Johann Book
rezensiert für den Borromäusverein.
"Und wir verrosten im Hafen"
Nicolas Wolz
Dt. Taschenbuch-Verl. (2013)
349, [20] S. : Ill., Kt.
fest geb.