Refugium
Die Ex-Polizistin und Autorin Julia Malmros nimmt für die Recherche zu ihrem neuen Roman Kontakt mit dem jungen Hacker Kim Ribbing auf. Daraus entwickelt sich eine Affäre. Den Mittsommer verbringen die beiden in Julias Sommerhäuschen, wo sie Zeugen
eines Massakers an Julias Nachbarn werden, dem Ehepaar Helander und ihren Gästen. Nur die 14-jährige Tochter Astrid überlebt den Anschlag. Kim und Julia nehmen inoffizielle Nachforschungen auf, was Julias Ex-Mann, der Ermittlungsleiter Jonny Munther, nur zähneknirschend duldet. Ribbing, getrieben von einer Mischung aus sozialem Pathos und geheimer Agenda, geht Spuren in Shanghai, Havanna und Stavanger nach und begibt sich damit in Lebensgefahr. - Nachdem der Verlag Lindqvists - „Schwedens Stephen King“ - Entwurf zur Fortsetzung von Stieg Larssons Millennium-Trilogie abgelehnt hatte, hat er die Geschlechter der Hauptpersonen getauscht und den Stoff in eine eigene Thriller-Trilogie verwandelt. Insbesondere fasziniert der androgyne Kim Ribbing (Pate stand unverkennbar Lisbeth Salander) mit seiner dunklen Vergangenheit, während Julia Malmros (also Mikael Blomqvist) etwas blass daherkommt. Da Ribbing wie die verwaiste Astrid in jungen Jahren ein Trauma erlebte, hat er einen guten Draht zu ihr und möchte ihr helfen. Hier steckt viel Potenzial für die weiteren Folgen. Humoristische Szenen und kurze Exkurse in die schwedische Kulturszene lockern die Geschichte auf und der Cliffhanger sitzt. Allerdings sind ein paar grausame Szenen mit Kindesmisshandlung enthalten. Ein toller Thriller! Wer möchte, kann zum Vergleich „Verderben“ von Karin Smirnoff lesen (Hörbuch s. 616818) und entscheiden, ob sie zurecht den Zuschlag für die Fortsetzung der Millennium-Reihe bekam.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Refugium
John Ajvide Lindqvist ; aus dem Schwedischen von Franziska Hüther [und drei weiteren]
dtv (2023)
523 Seiten
fest geb.